Spagyrik

Spagyrik – zeitlose Kunst im Umgang mit den der Dingen Natur

Immer mehr Menschen entdecken in dieser Zeit den unfassbaren Fundus der Natur neu. Dabei richtet sich der Blick dieser Menschen, meist zunächst über Themen wie Ernährung oder Fitness, weiter in die Bereiche der Heilkunst, die mit den „natürlichen Dingen“ zu arbeiten wissen und sie für die Gesundwerdung und -erhaltung einsetzen.

Uralte, ja fast zeitlose Verfahren erleben eine neue Blüte und die Menschen erinnern sich daran, dass es so etwas wie einen „rechten Umgang mit den Dingen der Natur, der dem Menschen zu Nutze sei“ (Paracelsus) schon immer gegeben hat.

Dieser rechte Umgang zeichnet sich dadurch aus, dass aus einem umfassenden Naturverständnis heraus Menschen in der Lage sind aus Pflanzen, Steinen, Mineralen, Metallen und Edelsteinen Medizin zu bereiten. In Tinkturen, Essenzen oder Quintessenzen, die auf spagyrischem Wege erstellt wurden erschliesst die Spagyrik Kräfte, in dem sie der Natur folgt. Kräfte erschliessen heisst in diesem Fall zum Beispiel Wirkkräfte, bzw. deren Spektren prinzipiell darzustellen. Im spagyrisch-alchemistischen Verständnis würde der Kundige z.B. das ätherische Öl einer Pflanze einen flüchtigen Sulphur nennen. Also einen Ausdruck des Sulphur-Prinzips einer Pflanze, der das seelenhafte der Pflanze darstellt.  Die Spagyrik (und Alchymie) ist – vor einem heilkundlichem Hintergrund betrachtet – eine Kunst, die der Mensch schon immer hoch geschätzt hat, und die stets als solche (als Kunst) begriffen wurde.

Mit diesem „Erinnern“ der Menschen an das Ursprüngliche, den bewussten und kundigen Umgang mit den Dingen der Natur, rücken spagyrisch-alchymistische Verfahren und Präparate wieder in den Fokus.  Firmen die Phylak Sachsen, Soluna, Alcahest, Spagyros und einige mehr erleben neuen, positiven Zuspruch. Auch Fragen bezüglich der Terminologie tauchen damit natürlich bei Patienten auf. Spagyrik? Was ist das eigentlich? Alchymie – hat man das nicht im Mittelalter gemacht? So eine häufige Reaktion.

Das Bild zeigt ein Feuer und die Calcination Rosen

Spagyrik – was ist das eigentlich?

Spagyrik und Alchymie, das haben die Menschen schon immer gemacht. Genaugenommen ist jeder Kochvorgang (so er denn kunstvoll- und verständig geführt wird), jede handwerkliche Tätigkeit, die der Natur folgt, Alchymie – also Spagyrik. Philippus Auroleus Theophrastus Bombastus von Hohenheim, kurz Paracelsus, hilft uns bei der Definition von Spagyrik und Alchymie. „Der ist ein Alchymist, der der Natur folgt und sie versteht. Der Ackermann, der Rebenmann, der Weber – das Höchste aber ist die Arznei“ (also die Kunst, Medizinen zu bereiten).

Spagyrik, das ist die Kunst zu trennen, bzw. zu scheiden (gr.: spao), zu reinigen und wieder zu vereinigen, zusammenzufügen (gr.: ageiro).

So, wie es der Winzer tut, wenn er denn Pressaft seiner Trauben zur Gärung vom Trester scheidet, so, wie der Bauer die reifen Früchte und das Korn aus und von der Erde nimmt und sie trennt von Dreck und unbrauchbaren Pflanzenteilen. Genauso scheidet der kundige Praktiker beim Bereiten einer Spagyrischen Essenz zunächst das ätherische Öl (oder den flüchtigen Sulphur), stellt dann den Rückstand zur aromatischen oder alkoholischen Gärung (was mehrere Wochen dauern kann), destilliert den so entstandenden, pflanzeneigenen Alkohol (oder das merkuriale Prinzip) ab und verascht anschliessend den Pflanzenrückstand, um aus der Asche das Pflanzensalz darzustellen, also einen Ausdruck des Sal-Prinzips. Diese drei werden kunstvoll wieder vereint zur Essenz und miteinander verbunden. Die Pflanze macht durch die Arbeit des Spagyrikers oder Alchymisten also einen wesentlichen Schritt heraus, aus ihrer stofflichen Manifestation (v.a. Indem durch die Präpartaion jedwedes Übermaß von „Stoff“ geschieden wird) hinein in ein prinzipielles Wirkspektrum. Das Wirkspektrum wird in diesem Fall durch die Pflanze und die in ihr verfügbaren Kräfte selbst, die Art, bzw. den Grad der Päparation und das Verständnis der Anwendung durch den Therapeuten definiert.

Die vereinigten Kräfte, die durch die drei gereinigten Prinzipien Sulphur, Merkur und Sal jetzt zur Verfügung stehen, durchwirken als Spagyrische Essenz weit tiefer Gewebe und Organe, Stoffwechsel- und sonstige Prozesse als z.B. ein wässriger Auszug (Tee) derselben Pflanze, ein eingekochter Sud oder Presssaft. Logisch nachvollziehbar wird diese Kraft, wenn wir uns andere heilkundliche Verfahren oder Präparate in den Vergleich nehmen und uns anschauen, welche Prinzipien dort wirksam sind. Wird in der Homöopathie v.a. das merkuriale Prinzip wirken (die Vermittlung über das Geistige), bzw. verwendet, in der Aroma-Therapie v.a. das sulphurische Prinzip und in den Schüssler-Salzen oder Heilerden v.a. das Sal-Prinzip, sind durch die spagyrische Präparation alle diese Prinzipien kunstvoll dargestellt und miteinander vereint.

Die Präparate sind dadurch stabiler, „greifen tiefer“ und nachhaltiger und durchwirken die jeweils angesprochenen Gewebe, die behandelt werden weit vollständiger.

Die kunstvolle Darstellung beinhaltet dabei nicht nur die abschliessende Vereinigung, oder das herausarbeiten der Prinzipien selbst. Auch Korrektionen von Pflanzen, in denen Kräfte im Übermaß vorhanden sind, und sich in der Folge schädigend oder hinderlich auswirken könnten, müssen vorgenommen werden. Ebenso eignen sich manche Pflanzen besser zur Mazeration, andere besser zur Putrefaction und wieder andere besser zur Gärung oder Fermentation. Dazu kommen die äusseren Faktoren, also die zeitliche Rhythmisierung, nach der die Natur sich bewegt. Je nach der individuellen Idee einer Pflanze zur Medizin ist es sinnvoll sie, oder Teile von ihr, zu bestimmten Jahreszeiten und -konstellationen zu sammeln. Die Kriterien, nach denen sich der  spagyrische Praktiker im Idealfall richtet, liessen sich hier noch weiter differenzieren, sollen aber als Eindruck hier ausreichen.

Das Bild zeigt einen Feuerofen und eine Schale während der Calcination

Spagyrik und Alchymie, zeitlose Künste

Paracelsus setzte den Begriff der Spagyrik ganz bewusst ein um der zu seinerzeit bereits eingesetzte Korruption des Begriffes „Alchymie“ entgegenzuwirken. Noch heute schauen viele Menschen unverständig, irritiert oder gar überheblich jene an, die Wörter wie Spagyrik und Alchymie benutzen oder praktisch in diesen Künsten arbeiten. Und die ersten Fragen sind tatsächlich oft solche wie „hat man das nicht im Mittelalter gemacht?“, oder „daran muss man daran glauben, damit es funktioniert, oder?“.

Solche Fragen zeigen, wie weit der Mensch aus der Natur gefallen ist. Im Selbstverständnis genauso, wie im Verstehen und Erkennen der Natur als die Grundlage einer umfassenden, tiefgründigen und extrem potenten weil menschenwürdigen Heilkunst. Spagyrik, das ist Handwerk.

Der Spagyriker verfolgt in seiner Tätigkeit den Jahreslauf, er sammelt Pflanzen und Steine, Erden und Mineralien – und wenn er es bei einem Kundigen gelernt hat, verarbeitet er auch Edelsteine und Metalle zu hochwertigen Präparaten.

Das ist nicht nur handwerklich viel Arbeit (wie die z.T. umfangreichen Verfahren zur Erschliessung der Minerale oder Metalle, oder die kunstvolle Darstellung einer Spagyrischen Tinktur, Essenz oder Quintessenz), sondern erfordert auch ein hohes Maß an Kunstverständnis.

Spagyrik und Alchymie, das sind keine romantisch-verklärten Naturpfade, die zu spiritueller Erleuchtung führen, sondern umfangreiche heilkundliche Systeme. In der intertraditionalen Zusammenschau lässt sich dann auch erkennen, wie nah die noch heute die Prozesse z.B. im Rasa Shastra (der praktischen Medizinal-Zubereitung des Ayurveda) mit der europäisch geprägten, spagyrischen Arbeit verbunden sind. Auch das Verständnis der Natur kennt hier keine regionalen Grenzen. Wenn der westliche Spagyriker oder Alchemist heute mit einem vedischen Vaidya (Vaidya = skr., Arzt-Titel für „Wissender“) spricht oder korrespondiert, tun das beide vor dem gleichen Hintergrund eines zeitlosen, stimmigen Naturverständnisses (persönliche Meinungen, traditionelle Sturheit und/oder Vorlieben einmal ausgenommen).

Dem unschuldigen Fragesteller von weiter oben ist dabei kein Vorwurf zu machen. Im Gegenteil – wie gut, dass die Menschen wieder Fragen stellen!

Welch ein Schatz die Spagyrik zu den Menschen und ihrer Gesundheit ist, zeigen die vielen erfolgreichen Therapien. Der ganzheitliche Ansatz der Spagyrik, von der Präparation einer spagyrischen Essenz bis zur Entfaltung ihrer Wirkung in und durch die verschiedenen Gewebe, Organe und Glieder des Webwerks Mensch, ist einzigartig.

Das Bild zeigt ein Gefäß in einem Ofen, Kohle und Feuer

Kombinierte Therapie, Spagyrik, Osteopathie, Ernährung, Yoga & Co.

Trotzdem kann es sinnvoll sein, spagyrische Mittel auch mit anderen Therapieformen zu kombinieren. Naheliegend ist – wie eigentlich immer – dabei zunächst Ernährungsgewohnheiten zu cultivieren. Ebenso ein gesundes Maß an Bewegung, also Körper- und Bewegungsübungen, wie z.B. Yoga, in ein therapeutisches Konzept mit einfliessen zu lassen.

In der Praxis von Dr. Artur Teichgräber haben Sie die Möglichkeit, eine ganzheitliche Beratung zu erleben und – unter ärztlicher Aufsicht – die heilenden Kräfte spagyrischer Präparate kennen zu lernen.

Haben Sie Fragen oder Anregungen zu diesem Artikel? Dann rufen Sie gerne an oder schreiben Sie uns!

Autoren

Philipp Mairchrzak
Dr. med Artur Teichgräber

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