Rückenschmerzen

Ursache, Symptome, Osteopathische Behandlungen

In Deutschland gehören Rückenschmerzen zu den häufigsten Volkskrankheiten. Schätzungen zufolge leiden etwa 75 bis 85 Prozent1 der Menschen hierzulande gelegentlich oder dauerhaft unter Schmerzen entlang der Wirbelsäule. Die Ursachen dafür sind vielfältig. Von spezifischen Auslösern sprechen Ärzte, wenn konkrete Erkrankungen vorliegen wie Bandscheibenvorfälle, Wirbelgleiten oder eine Skoliose. Unspezifische Ursachen liegen dann vor, wenn mit ersten klinischen Methoden kein Grund für die Schmerzen gefunden werden kann.2

Viele Rückenschmerzen können schonend mit Osteopathie behandelt werden.

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In so einem Fall ist es wichtig, den gesamten Körper zunächst einmal genau zu untersuchen. Es gibt viele, auf den ersten Blick vielleicht unscheinbare Möglichkeiten, warum der Rücken schmerzt. Häufig führen beispielsweise Vernarbungen dazu, dass der Körper in eine Schieflage gerät. Auch verklebte Faszien, also Bindegewebe, das Muskeln, Bänder und Organe umgibt, können ein Auslöser für die Beschwerden sein – ebenso wie Mangelerscheinungen aufgrund einer nährstoffarmen Ernährung.

Die gute Nachricht:

Die meisten Rückenschmerzen können wir mit konservativen Methoden behandeln. Das bedeutet, dass in der Regel keine Operation nötig ist. Wichtig ist, die genaue Ursache der Schmerzen zu erkennen und sie dann gezielt mit einer ganzheitlichen osteopathischen Herangehensweise zu therapieren.

Ursachen von Rückenschmerzen

Wenn das Kreuz ab und zu zwickt, zum Beispiel infolge leichter Verspannungen, ist das in der Regel harmlos. Meist verschwinden die Beschwerden von allein wieder. Wer jedoch häufiger mit Schmerzen zu kämpfen hat oder sie über mehrere Wochen anhalten, sollte sich professionelle Hilfe holen.

Mögliche Ursachen:

  • Muskuläre Verspannungen (Nackenbereich und Hexenschuss)
  • Bandscheibenvorfall
  • Erkrankungen der Wirbelsäule (Skoliose, Morbus Scheuermann, Morbus Bechterew)
  • Veränderungen an den Wirbeln (Osteoporose, Wirbelbrüche, Wirbelgleiten, Arthrose)
  • Nervendefekte (Lumboischialgie, eingeklemmte Nerven, Rückenmarksprobleme)
  • organische Ursachen (Nierenbeckenentzündungen, Bauchspeicheldrüsenentzündungen, uvm.)
  • Fasziale Beschwerden (Verklebungen)
  • Narben (Sie können zu Schiefstellungen führen)
  • alte Brüche
  • Endometriose
  • Stress
  • Ernährungsstörungen
  • Übergewicht
  • u. v. m.

Typische Schmerz-Symptome

Je nachdem wo die Ursache liegt, fühlt sich der Schmerz unterschiedlich an. Verspannungen im Nackenbereich ziehen häufig in den Hals, oft auch bis hoch in den Kopf. Bei einem Hexenschuss schießt, wie der Name schon sagt, ein steckender Schmerz meist durch die Lendenwirbelsäulengegend. Bandscheibenvorfälle gehen manchmal mit Lähmungserscheinungen in Armen und Beinen einher und Wirbelbrüche können dazu führen, dass die Bewegungen eingeschränkt sind und man sich blockiert fühlt.

Ärztliche und osteopathische Diagnose

Um herauszufinden, wo die Ursache für die Beschwerden stecken, nehmen wir uns Zeit und führen mit unseren Patienten eine ausführliche Anamnese, also ein Gespräch zur Krankengeschichte, durch. Dabei berücksichtigen wir unter anderem folgende Punkte:

  • Dauer der Rückenschmerzen:

    Akute Schmerzen sind solche, die seit weniger als sechs Wochen und erstmals oder nach sechs schmerzfreien Monaten auftreten. Bei subakuten Schmerzen halten die Beschwerden länger als sechs Wochen an, sind aber noch nicht chronisch. Chronische Rückenschmerzen bestehen mindestens seit drei Monaten – oder auch dauerhaft.

  • Häufigkeit der Schmerzen:

    Haben wir uns verlegen, bessern sich die Schmerzen meist nach einigen Tagen von allein. Andere Menschen haben aufgrund von Wirbelsäulen- oder organischen Erkrankungen dauerhaft Schmerzen. Hier stellt sich die Frage, wie häufig diese schließlich auftreten – täglich, unregelmäßig, oder beispielsweise nach dem Sport.

  • Intensität:

    Wie stark Schmerzen sind, ist ein sehr subjektives Empfinden. Um herauszufinden, wie sehr sie die Patienten belasten, gibt es eine Schmerzskala: 1 gleich kaum spürbar bis 10 kaum auszuhalten.

  • Ort des Schmerzes:

    Wichtig für eine richtige Diagnose ist auch, wo die Schmerzen genau auftreten: im unteren Rücken, in Höhe des Brustbeins oder am Hals. Außerdem fragen wir danach, ob die Schmerzen in Arme, Beine oder den Kopf ausstrahlen.

  • Sonstige Einflüsse:

    Zur Anamnese gehören auch noch weitere Informationen. Beispielsweise die Fragen nach Verletzungen, Unfällen und Vorerkrankungen. Auch die Arbeitssituation spielt eine Rolle: Sitzen Sie im Job viel? Müssen Sie schwer heben? Wie lange am Tag arbeiten Sie? Weiterhin fragen wir unsere Patienten nach psychischen Belastungen, die ebenfalls eine Auswirkung auf Rückenprobleme haben können.

Anschließend erfolgt eine körperliche Untersuchung. Dabei ist es wichtig, den Körper ganzheitlich zu betrachten. Sprich: Nur, weil der Schmerz im Nacken spürbar ist, muss dort nicht auch der Auslöser sitzen. Wir untersuchen bei unklarer Ursache beispielsweise auch die Organe oder schauen, ob verklebte Faszien den Schmerz auslösen. Es kann auch sein, dass Kiefer- oder Zahnprobleme für die Beschwerden verantwortlich sind. Um dies auszuschließen, empfiehlt es sich, auch einen Zahnarzt zu Rate zu ziehen.

In einigen Fällen greifen wir auf bildgebende Verfahren wie Röntgenaufnahmen, eine Computertomographie (CT) oder eine Magnetresonanztomographie (MRT) zurück, um beispielsweise Wirbelsäulenveränderungen zu erkennen. Auch eine Blutuntersuchung kann Aufschluss über mögliche Mangelerscheinungen und eine dadurch verursachte Unterversorgung der Knochen und Bänder mit nötigen Vitalstoffen liefern.

Behandlungsmöglichkeiten

Eine Rückenschmerztherapie richtet sich nach den Ursachen sowie dem Schweregrad der Symptome. Ziel ist es, die Schmerzen zu lindern und bestenfalls die Auslöser so zu behandeln, dass die Schmerzen dauerhaft verschwinden.

Oft kann Osteopathie bei Rückenschmerzen helfen, wenn andere Therapien versagen.

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Beschwerden, die aufgrund von muskulären Verspannungen entstehen, lassen sich häufig mit Entspannungstechniken, Wärme, Sport und Massagen lindern. Wir helfen Ihnen dann, Ihren Rücken mit speziellen Übungen wieder zu stärken. Bei stressbedingten Rückenschmerzen kann weiterhin die Kraniosakraltherapie die Schmerzen lindern. Sind die Ursachen der Beschwerden organischer Natur, wenden wir unter anderem viszerale Techniken an.

In der Osteopathie betrachten wir Ihren Körper als Ganzes. Wir konzentrieren uns also nicht nur auf Ihren lokalen Schmerz, sondern untersuchen, welche Zusammenhänge in Ihrem Organismus gestört sein könnten. So ist es beispielsweise hilfreich bei anhaltenden Wirbelsäulenschmerzen die umliegende Muskulatur und die im Inneren des Körpers befindlichen Faszien zu lockern. Denn sind diese verhärtet oder verklebt, sorgen sie dafür, dass die Wirbelsäule ständig unter Druck steht. Auch alte Narben, die mit dem Bindegewebe verwachsen sind, können dazu führen, dass der Körper in Schieflage gerät. Lösen wir diese Stellen, gerät häufig der Rumpf wieder ins Gleichgewicht.

Bandscheibenvorfälle

Eine häufige Ursache für Rückenschmerzen ist ein Bandscheibenvorfall. Unsere Bandscheiben liegen zwischen den Wirbeln und federn Stöße ab. Dadurch lastet auf ihnen ein enormer Druck. Je älter wir werden, desto mehr nimmt der Flüssigkeitsgehalt in den flexiblen Bandscheiben ab. Bei ungünstigen Bewegungen sowie bei enormen Belastungen kann es dann passieren, dass die äußere Hülle einer Bandscheibe Risse bekommt. Der Gallertkern tritt aus und drückt auf die Nervenbahnen entlang der Wirbelsäule. Dadurch entsteht ein stechender Schmerz, der bis in die Arme und Beine ausstrahlen kann.

Studien belegen, dass Operationen bei Bandscheibenvorfällen in den meisten Fällen nicht nötig sind – sie sind eher die letzte Wahl, wenn alle anderen Maßnahmen keine Erfolge erzielen oder wenn ein Taubheitsgefühl in den Gliedmaßen auftritt.

Bei einem akuten Bandscheibenvorfall ist meist eine kombinierte Therapie sinnvoll. Um Fehlhaltungen zu vermeiden, können schmerzlindernde sowie entzündungshemmende Medikamente kurzfristig Erleichterung verschaffen. Gleichzeitig sollte frühzeitig mit einer Behandlung begonnen werden, die die Schmerzen lindert und langfristig die Muskeln um die Wirbelsäule stärkt sowie die Bandscheiben und Nerven entlastet.

Wichtig: Haben Sie einen Bandscheibenvorfall und rät Ihr behandelnder Orthopädie Ihnen zu einer Operation, holen Sie sich unbedingt eine Zweitmeinung ein. Denn eine Operation ist meist nur in schweren Fällen eines Bandscheibenvorfalls notwendig. Wir geben Ihnen gerne eine alternative Einschätzung zu Ihrem Bandscheibenvorfall.

Osteopathische Therapiemöglichkeiten bei Rückenschmerzen:

  • Ganzheitliche Osteopathische Behandlung (GOT), Littlejohn und Wernham
  • Strain-Counterstrain, Lawrence Jones
  • Muskel-Energie-Techniken (MET), Fred Mitchell
  • Fasziendistorsionsmodell (FDM), Stephen Typaldos
  • kraniosakrale Techniken/Sutherland-Techniken, Dr. Sutherland
  • funktionelle Techniken
  • parietale Techniken mit High Vleocity Low Amplitude (HVLA)
  • Balanced ligamentous tension (BLT)
  • viszerale Techniken nach Barrall

  Mehr über: Bandscheibenvorfall

Erfolgsaussichten – Studien

Es gibt mehrere randomisierte Studien von hoher Qualität, die einen Erfolg von Osteopathie bei akuten und chronischen, unspezifischen Rückenschmerzen belegen. In den meisten Untersuchungen werden dabei osteopathische Behandlungen mit anderen konservativen Methoden wie Physiotherapie verglichen. Dabei schneiden die osteopathischen Therapien zum Teil besser, aber mindestens gleich gut ab.3

Für unsere Patienten, die häufig unter Rückenschmerzen leiden, bieten wir eine Rückensprechstunde an. Wir begleiten Sie ein Jahr lang intensiv und behandeln die Ursachen Ihrer Schmerzen ganzheitlich – gerade bei organischen Problemen können in diesem Zeitraum Studien zufolge gute Erfolge erzielt werden.4

Vorbeugen

  • Wer seinen Rücken gezielt stärken möchte, sollte seine Muskulatur trainieren – am besten unter professioneller Anleitung.
  • Bauen Sie Bewegung in Ihren Alltag ein und treiben Sie Sport.
  • Ein spezielles Faszientraining beugt Verklebungen vor.
  • Achten Sie auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung mit wenig Zucker, tierischem Fett und Fleisch und viel Gemüse, Obst und hochwertigen Kohlenhydrate.

Quellennachweise: