Die Cranio Sacral Therapie (CST)

Definition

Der Begriff Cranio Sacral Therapie umfasst den Anwendungsbereich des Schädels (lat.: cranium), der Wirbelsäule, dem Kreuz– (lat.: sacrum) und Steißbein (lat.: coccyx bzw. Os coccygis) und dem zentralen Nervensystem. Allgemein versteht man unter einer craniosacralen Therapie einen alternativen Behandlungsansatz, der die klassische Schulmedizin ergänzt. Die craniosacrale Körperarbeit entwickelte sich als eigenständiger Ansatz aus der Osteopathie und stellt eine ganzheitliche, körperorientierte und manuelle Behandlungsform dar.

Die Entwicklung der Cranio Sacral Therapie (CST)

Die US-Amerikaner William Sutherland (✝1954 Wisconsin) und John Upledger (2012 Florida) haben mit ihren Arbeiten maßgeblich das heutige Verständnis der craniosacralen Therapie geprägt.

Sutherland, ein Schüler von Andrew Still (Geschichte und Philosophie der Osteopathie), (1) sorgte seinerseits (Ende 19. Jh.) für Aufsehen, als er entgegen der damaligen vorherrschenden medizinischen Lehrmeinung behauptete, dass zwischen den menschlichen Schädelknochen eine gewisse Beweglichkeit vorhanden sei. Während seines Studiums soll ihm an einem Schädel aufgefallen sein, dass die Verbindung der Schädelknochen abgeschrägte Oberflächen aufweisen, die bei ihm folgende Assoziation hervorrief:

„Plötzlich kam mir ein Gedanke – ich nenne ihn einen Leitgedanken: [Die Verbindungen der Schädelknochen sind] abgeschrägt wie die Kiemen eines Fisches, das ist ein Hinweis auf eine gelenkige Mobilität […]“ (2)

Es sollten noch einige Jahre vergehen bis Sutherland, mittlerweile diplomierter Osteopath, das Studium der Schädelknochen intensivierte. Seine Forschungen umfassten sowohl das Studium von Schädeln Verstorbener als auch Experimente an sich selbst.

Seine Forschungen lassen sich auf drei essentielle Erkenntnisse zusammenfassen:

  1. Die Schädelknochen wie auch das Sacrum sind nicht fixiert, sondern beweglich.
  2. Schädelknochen und Sacrum sollten sich synchron in einer wohl definierten Art bewegen.
  3. Asynchronität kann zu körperlichen und geistigen Störungen führen.

Mit zunehmender Überzeugung seiner Forschung begann Sutherland seine Erkenntnisse in die Behandlung seiner Patienten zu integrieren. Ein stetig steigender Zustrom an Patienten unterstrich seinen Erfolg recht bald. Die Fachwelt allerdings, blieb zunächst reserviert. Erst mit der Veröffentlichung seiner Schrift The Cranial Bowl 1939 und der Gründung der Osteopathic Cranial Association 1948 rückten die Forschungen mehr und mehr in den Fokus der Öffentlichkeit. Dennoch muss betont werden, dass das craniosacrale System in den 70er Jahre nur von relativ wenigen Ärzten und Therapeuten, in die Diagnose und Behandlung, einbezogen wurde. Grund hierfür war u.a., dass Sutherland und seine Schüler ihre Kenntnisse und Fähigkeiten ausschließlich an Osteopathen weitergaben.

Das Bild zeigt Dr. Teichgräber und eine junge Frau während einer Behandlung mit Cranio Sacral Therapie. Der Arzt sitzt und die Frau liegt. Dabei hält der Arzt die Finger am Kopfgelenk der Frau.

Cranio Sacral Therapie

Beispiel einer craniosacralen Therapie des OA-Gelenks – Dr. Teichgräber Beispiel einer craniosacralen Behandlung des Atlantookzipitalgelenks (Kopfgelenk zwischen Halswirbelsäule und Schädelknochen)

Dieser Umstand änderte sich durch den Chirurgen und Osteopathen John Upledger, der sich dazu entschloss, das craniosacrale System weiter zu erforschen und das gewonnene Wissen über den Kreis osteopathischer Ärzte hinaus zu lehren. Der entscheidende Punkt in Sutherlands Biographie, der ausschlaggebend für seine Forschung an der craniosacralen Therapie ist, ereignete sich während einer Operation im Jahre 1970. Hier konnte er rhythmische Bewegungen der Rückenmarkshäute (Bindegewebsschichten, die das komplette Rückenmark umschließen) am ungeöffneten Rückenmarkskanal beobachten – ein Phänomen, das die klassische Schulmedizin bis dato nicht erklären konnte. Erst als Upledger zwei Jahre später im Rahmen eines Seminars in Kontakt mit den Arbeiten von William Sutherland kam, erhielt er einen Erklärungsansatz für die beobachteten rhythmischen Bewegungen und widmete sich in den folgenden Jahrzehnten der Erforschung und dem wissenschaftlichen Nachweis des craniosacralen Systems. Er verfeinerte Sutherlands Techniken, setzte bis heute geltende Standards der CST und gründete 1985 The Upledger Institute, das mittlerweile in vielen Ländern Ableger hat und sich der Forschung und Lehre widmet.

Die unterschiedlichen Konzepte – Sutherland vs. Upledger

Es gibt Therapeuten, die Cranio Sacral Therapie als isolierte Behandlungsmethode betrachten und demnach als reine Craniosacral-Therapeuten gelten. Sie arbeiten mit dem Konzept von Upledger. 

Ich persönlich verfolge die Philosophie von Sutherland, der craniosacrale Therapie als integralen Bestandteil der Osteopathie betrachtet.

Ob die eine oder andere Methode besser ist, kann meiner Meinung nach nicht beantwortet werden, da beide Ansatzpunkte ihre Daseinsberechtigung haben.

Indikationen und Behandlungsablauf

Sowohl Erwachsene, Jugendliche, Kinder und Säuglinge sind für eine craniosacrale Therapie geeignet.

Eine Sitzung dauert 45-60 Minuten. Generell beginnt eine Therapie mit einer ausführlichen ganzheitlichen Anamnese, die je nach Patient ca. 10 bis 30 Minuten in Anspruch nehmen kann. Der erste Behandlungstermin umfasst eine umfangreiche osteopathische Diagnostik des gesamten Körpers.

Meine persönliche Vorgehensweise umfasst das Vortasten vom „Groben ins immer Feinere“.

Diese beginnt zunächst mit der Inspektion. Hierzu gehören u.a. der allgemeine Eindruck, die Betrachtung des Halteapparats, der Haut und des Gangbildes. Die weitere Untersuchung erfolgt im Sitzen und Liegen. Dabei beginne ich an den Füßen und arbeite mich Schritt für Schritt Richtung Kopf vor. Hierbei werden die aktive und passive Beweglichkeit der Gelenke und Organe untersucht als auch das Spannungsmuster des Gewebes abgetastet.

Die Untersuchung des Schädels beginnt zunächst mit der Betrachtung der Kopfform. Es folgen minimaler Zug oder Druck mit den Fingern oder den Handflächen an den Schädelknochen und insbesondere den Schädelnähten. Somit können unterschiedliche Spannungsmuster ertastet werden. Die Rückmeldungen des Patienten bzgl. möglicher Schmerzen fliessen in die Diagnostik ebenfalls mit ein. Das Hauptaugenmerk liegt generell auf der symmetrischen Bewegung der Knochen.  

In den allermeisten Fällen wird der Patient während der Behandlung eine tiefe Entspannung verspüren, die sich nach mehreren Behandlungen auch rasch im Alltag bemerkbar macht.

Viele Patienten berichten auch, dass Sie direkt nach einer Behandlung wie auf einer Wolke schweben, sich sehr ausgeglichen Fühlen und/oder sehr müde werden und somit sehr früh in Bett gehen.

Generell ist die craniosacrale Therapie für eine Vielzahl körperlicher und psychischer Schmerzen geeignet.

Beispiele für die Indikation zur Cranio Sacral Therapie:

Aus rechtlichen Gründen dürfen an dieser Stelle keine Indikationen für eine Behandlung angegeben werden. Es gibt bislang keine großen, randomisierten Doppelblind-Studien, die in wissenschaftlicher Hinsicht die Wirkungsweisen osteopathischer Medizin nachweisen können. Wenn sie mit dem Gedanken spielen, sich mit einer craniosacralen Therapie behandeln zu lassen und nähere Informationen benötigen oder unsicher sind, ob eine solche Therapie passend für sie ist, können sie mich jederzeit kostenlos vorab kontaktieren.

Quellenangaben:

(1) Osteokompass – Wegweiser für Osteopathen und Paatienten http://osteokompass.de/de-wissenswertes-geschichte-william_garner_sutherland.html

(2) Entnommen aus „das große Sutherland-Kompendium“, erschienen 2008 im Narayana Verlag.

8 Kommentare
  1. Maj-Britt Dreyer
    Maj-Britt Dreyer says:

    Ich arbeite auch sehr viel kraniosakral mit meinen Patienten und erziele damit große Behandlungserfolge bei einer Vielzahl unterschiedlichster Beschwerden! Ein toller Artikel!

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  2. Friedhelm Rüttgers
    Friedhelm Rüttgers says:

    Guter Artikel, und jeder, der die craniosakralen Behandlungen wirklich verinnerlicht hat und gelernt hat, diesem System “zuzuhören“, wird das alles bestätigen können. Ich persönlich bin aber eher überzeugt, das man kraniosakrale Behandlungen nicht stand alone anwenden sollte, sondern im Hinblick auf die Einheit des Körpers im urosteopathischen Sinne immer im Zusammenspiel mit dem parietalen und dem viszeralen System.

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    • Artur Teichgräber
      Artur Teichgräber says:

      Danke für die lobenden Worte! Das ist auch meine Erfahrung und Herangehensweise gleichzeitig ist es aber meiner Meinung nach ok, wenn ein Craniosacraltherapeut „nur“ craniosacral arbeitet und damit gute Erfolge verzeichnet. Beste Grüße, Artur Teichgräber

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  3. Robert Kutsch
    Robert Kutsch says:

    Ich arbeite fast ausschließlich mit den Prinzipien der CST.
    Egal wo am Körper ist sie zu jeder Zeit integrativ und auf körperliche Ebene ganzheitlich. Ich denke es ist nicht sinnvoll sie auf Kopf Corelink und Sacrum zu reduzieren.
    LG

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    • Artur Teichgräber
      Artur Teichgräber says:

      Vielen Dank für die Ergänzung und den Hinweis! Das stimmt natürlich. Ich arbeite auch in diesem Sinne integrativ. Dachte nur, dass es für einen Text, der einen Einstieg in die Thematik bieten sollte und es dann evtl viel zu viel Informationen sein könnten. LG, AT

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  4. Sophia van Buiren
    Sophia van Buiren says:

    Danke für diesen tollen Artikel! Bei meiner Arbeit bediene ich mich auch gerne an unserem gesamten Werkzeugkasten von sowohl craniosacralen, viszeralen und parietalen untersuchungs Methoden als auch behandlungs Techniken.

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