“Guter Osteopath? Worauf muss ich da achten?” Einen guten Osteopathen zu finden ist für viele Menschen oft nicht einfach. Nicht nur in meiner Arbeit als Hausarzt in Kiel, sondern auch im Bekanntenkreis werde ich hierzu oft befragt. Da es zu diesem Thema auch im Internet kaum Informationen gibt, habe ich mich dazu entschlossen hierzu einen Artikel zu schreiben.

Der Bergriff Osteopath ist in Deutschland bisher im Gegensatz zu vielen anderen Länder wie z.B. den USA, wo man Osteopathie seit vielen Jahren studieren kann und die Ausbildung zum Beruf Osteopath mit dem Arztberuf verglichen werden kann, nicht anerkannt (außer in Hessen). Daher kann sich quasi jeder Osteopath nennen. Es gibt aber wesentliche Unterschiede in der Art der Ausbildung.

Der Hintergrund

In Deutschland sind (außer an ein paar Vollzeitschulen) nur Heilpraktiker, Physiotherapeuten und Ärzte befugt, an einer Ausbildung oder einem Studium zum Osteopathen teilzunehmen. Die Ausbildungsinhalte können von Schule zur Schule stark variieren.

In den letzten Jahren sind starke Bestrebungen unternommen wurden, um einheitliche Ausbildungsinhalte einzuführen. In diesem Zuge sind in den meisten Ausbildungsstätten sehr hohe Qualitätsstandards eingeführt worden.

Die unterschiedliche Ausbidungswege  

Es gibt jedoch weiterhin sehr unterschiedliche Wege seine Ausbildung zu absolvieren. Man kann zum Beispiel “osteopathische Techniken” an Wochenendkursen in 1-2 Jahren erlernen. Hier werden jedoch nur Techniken unterrichtet keine Osteopathie!

Schon Dr. Andrew Taylor Still (Entdecker der Osteopathie) hat immer wieder darauf hingewiesen, dass man sich zunächst intensiv mit dem philosophischen Hintergrund und der Anatomie des Menschen beschäftigt haben muss, um osteopathisch (be)handeln und denken zu können.

Mittlerweile lernen in Deutschland fast alle Physiotherapeuten und Heilpraktiker die Osteopathie an einer 4 bis 5-jährigen berufsbegleitenden Ausbildung bzw. Teilzeitstudium.

Ärzte können drei verschieden Ausbildungswege wählen, um sich am Ende einer Ausbildung Osteopath nennen zu dürfen:

1. Variante: 4 bis 5 Jahre Ausbildungszeit

Sie entscheiden sich wie die anderen Berufsgruppe für einen langen Ausbildungsweg, indem sie sich für die ausführliche und qualitativ hochwertige Variante entscheiden und es in einem 4 bis 5 jährigem berufsbegleitenden Ausbildung/Studium erlenen oder …

2. Variante: 1-2 Jahre Ausbildungszeit

Sie wählen einen deutlich kürzeren Ausbildungsweg. Sie haben nämlich auch die Möglichkeit eine Osteopathie-Ausbildung aufbauend auf einer bereits abgeschlossenen Weiterbildung in Manueller Medizin/Chirotherapie zu absolvieren. Um Sich dann Osteopath nennen zu können, benötigen sie hier nur noch etwa 300 Unterrichtseinheiten im Gegensatz zu den 1350 Stunden einer langen Ausbildung.

3. Variante: Integriertes Curriculum (Manuelle Medizin/Chirotherpie inklusive Osteopathie) etwa 3 1/2 Jahre

Eine weitere Variante für Mediziner ist die Integration der Ausbildung in Manueller Medizin/Chiropraktik  in die Osteopathieausildung. So kann in einem Zeitraum von etwa 3 1/2 Jahren ein Diplom in osteopatischer Medizin erlangt werden.  (Quelle www.daao.info)

Seit ein paar Jahren kann man Osteopathie in Deutschland auch in einem vierjährigem Vollzeitstudium erlernen. Die Anzahl dieser Standorte ist momentan aber noch sehr begrenzt.

An den oben aufgeführten Beispielen sehen Sie wie unterschiedlich eine Ausbildung zum Osteopathen aussehen kann.

Umso wichtiger ist es, dass die Qualität der Ausbildung durch Fachverbände gesichert wird. Durch selbstdefinierte Aufnahmebedingungen wie zum Beispiel eine abgeschlossene Osteopathieausbildung, einer Mindestanzahl von Unterrichtseinheiten und einer Abschlussarbeit, kann eine hohe Qualität der Ausbildung gewährleistet werden. Ein weiteres Qualitätskriterium für die Fortführung der Mitgliedschaft um in einem Verband auf der Therapeutenliste zu erscheinen ist die regelmäßige Teilnahme an Fortbildungen.

Die Fachverbände haben als Aufnahmekriterium unterschiedliche Standards definiert. Einigen Verbänden reicht es aus, wenn man sich in einer Osteopathieausbildung befindet. Therapeuten, die sich noch in einer Ausbildung befinden, landen werden von den Verbänden nicht auf den Therapeutenlisten im Internet gelistet oder führen die Bezeichnung i.A. = in Ausbildung.

Aufgrund der Qualitätssicherung (meist 5-jährige Ausbildung mind. 1350 Unterrichtsstunden), den die allermeisten Fachverbände fordern, um auf deren Webseite als Therapeut aufgenommen zu werden, kann größtenteils gesichert werden, dass die potentiellen Patienten an hochqualifizierte osteopathisch arbeitende Therapeuten weiterempfohlen werden können.

Liste der Verbände, die eine Mindestanzahl von 1350 Unterrichtseinheiten (UE) fordern:

BVO – Bundesverband Osteopathie e.V.  (inklusive Liste von mind. 800 UE)

VOD – Verband der Osteopathen Deustchland e.V.

DÄGO – Deutsche Ärztegesellschaft für Osteopathie e.V.

ROD – Register der traditionellen Osteopathen in Deutsschland

VFO – Verband freier Osteopathen e.V.

Kinderosteopathie – Liste hochqualifizierte Therapeuten:

DGKO – Deutsche Gesellschaft für Kinderosteopathie

Osteokompass

Einen hochqualifizierten Therapeuten für Osteopathie oder Kinderosteopathie finden sie zudem auf der Internetseite Osteokompass. Dies ist eine Info- und Arbeitsportal zum Thema Osteopathie, welches sich wie der VOD und der BVO sehr hohe Qualitätsstandards zur Aufnahme der Osteopathen in die Therapeutenliste gesetzt hat. Die Internetseite Osteokompass bietet nach meinem aktuellen Wissensstand die ausführlichsten Informationen zu den jeweiligen Osteopathen. Hier werden auch die Anzahl der Jahre, die der Osteopath gelernt hat sowie das Abschlussjahr aufgelistet.  Die Liste ist aber auch nicht komplett, da sich nicht alle Osteopathen Deutschlands darauf befinden.

Wissenschaft, Kunst und Philosophie

Zur Ergänzung muss hinzugefügt werden, dass die Osteopathie eine Wissenschaft, Kunst und Philosophie ist, die nur durch selbst gemachte Erfahrung des Therapeuten erlernt werden kann. Dies erfordert natürlich neben einer fundierten Ausbildung in den verschiedensten Fachdisziplinen wie z.B. der Anatomie und Physiologie  eine ganze Menge an Übung und Bereitschaft um sich weiter zu entwickeln.

Erfolgreiche Behandlung

Der Erfolg einer osteopathischen Behandlung hängt von sehr vielen unterschiedlichen Faktoren ab. Eine deutliche Verbesserung der Symptomatik sollte sich nach mindestens zwei bis drei (in aller seltensten Fällen drei bis vier) Behandlungen einstellen. Sofortige Erfolge sind jedoch zu Erwarten und keine Seltenheit.

Hier finden Sie eine Auswahl der Links zu den oben genannten Osteopathenlisten:

Osteokompass:

http://osteokompass.de/de-osteopathenliste-liste.html

Bundesverband Osteopathie e.V. (BVO):

http://www.bv-osteopathie.de/de-therapeutenliste.html
Verband der Osteopathen Deutschland e.V. (VOD):

http://www.osteopathie.de/de-therapeuten-therapeutenliste.html

Autor: Dr. med. Artur Teichgräber

Falls Sie Fragen zu diesem Thema haben sollten, dann können Sie uns hierzu gerne per Telefon oder Email kontaktieren. Wir freuen uns über jegliche Anregungen und Kommentare zum Thema!

1 Antwort
  1. Avatar
    peters sagte:

    “Wie finde ich einen guten Osteopathen”
    Eine Auflistung der Ausbildungsabschlüsse, gerade in der Osteopathie tummeln sich bekannterweise unzählige Wochenendexamisten, fortlaufende Listung der belegten Fortbildungskurse, Praxiserfahrung, da es sich nicht nur um auswendig zu lernendes Medizinwissen geht, und ein Patientenbuch/blog mit Beurteilungen.

    Antworten

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.