âŠmein ehrlicher Erfahrungsbericht
3. November 2025 · Osteomedicum · Dr. Artur TeichgrÀber
Ich hĂ€tte nie gedacht, dass ich einmal tĂ€glich mit einer KĂŒnstlichen Intelligenz sprechen wĂŒrde â und das nicht aus Neugier, sondern aus purer Notwendigkeit. Heute lĂ€uft in meiner Praxis kaum noch ein Tag ohne sie.
Warum ich damit angefangen habe
Der Alltag in einer modernen Arztpraxis ist ein Hochleistungssport: Telefon, Dokumentation, Befunde, Arztbriefe, Kommunikation â und dazwischen Menschen, die Zeit, Ruhe und Zuwendung verdienen. Ich wollte wieder mehr Arzt und weniger BĂŒrokrat sein. Also habe ich angefangen, digitale Systeme zu testen â zuerst zögerlich, dann systematisch.
Welche Systeme ich nutze
Inzwischen begleitet mich ein ganzes digitales Team:
- Noa KI (Jameda) â Dokumentation, Formulierungshilfen und Arztbriefe direkt in Tomedo.
- Tomedo + Apple-Ăkosystem â das RĂŒckgrat meiner Praxisorganisation.
- ChatGPT (GPT-5) â tĂ€glicher Sparringspartner fĂŒr Recherche, MikronĂ€hrstoffmedizin, Coaching und Praxismanagement.
- Grok und Gemini â testweise zum Vergleich.
- Amboss â medizinisches Nachschlagewerk.
- Canva â Patienteninfos, Grafiken und Social Media.
Aber am meisten nutze ich ChatGPT â in allen Facetten und Tiefen.
Wie KI mir konkret hilft
Ich setze KI ĂŒberall dort ein, wo sie Zeit spart oder Wissen greifbarer macht:
- Arztbriefe & Gutachten: Stichpunkte rein, sauber strukturierter Entwurf raus â mein Feinschliff am Ende.
- Komplexe Diagnosen: KI-Assistenten z. B. fĂŒr Ehlers-Danlos-Syndrom oder chronische Erschöpfung, um ZusammenhĂ€nge und Therapien zu verstehen.
- Labor- & Sonografie-Analysen: Interpretation und Visualisierung â datenschutzkonform.
- Metabolische Analysen: Bei Abnehmprogrammen mit Mounjaro Diagramme, Berechnungen und VerlĂ€ufe fĂŒr Motivation und Kontrolle.
- Osteopathische Fragestellungen: Recherche zu funktionellen ZusammenhÀngen, gezieltere Planung.
- Praxisorganisation: Checklisten, Erinnerungen, Vorlagen â automatisch strukturiert.
- Kommunikation & Social Media: Texte, Newsletter und Blogartikel im Zusammenspiel mit KI.
Kurz gesagt: Sie ist mein digitaler Assistent, Rechercheur, Texter, Coach und GedĂ€chtnisstĂŒtze in einem.
KI als Werkzeug fĂŒr Patient:innen
Was mich besonders begeistert: Ich bringe meinen Patient:innen bei, wie sie KI selbst nutzen können, um ihre Gesundheit aktiv zu steuern. Viele setzen ChatGPT inzwischen als Gesundheits-Coach im Alltag ein â fĂŒr ErnĂ€hrung, Motivation, Achtsamkeit oder zur Vorbereitung auf ArztgesprĂ€che.
Einige sind Lehrer:innen, die KI ursprĂŒnglich im Unterricht genutzt haben â und sie jetzt einsetzen, um ihre eigene Gesundheit zu managen. Manche nennen mich augenzwinkernd den âKI-Lehrer fĂŒr Lehrerâ.
Was mich manchmal wahnsinnig macht
NatĂŒrlich ist nicht alles glĂ€nzend. Ich verbringe immer noch zu viel Zeit damit, technische Stolpersteine zu umkurven, statt einfach zu arbeiten:
- Noa/Jameda stĂŒrzt regelmĂ€Ăig ab und braucht manchmal lĂ€nger als ein Blutbild.
- Tomedo-Support ist freundlich, aber Integrationen (z. B. KartenlesegerÀt) bleiben monatelang ungelöst.
- Mein KartenlesegerĂ€t steht seit April wie ein MuseumsstĂŒck, weil niemand es sauber anbinden kann.
âWir schreiben das Jahr 2025 â und kĂ€mpfen mit Problemen, die ein Garagen-Startup in zwei Tagen lösen wĂŒrde.â
Ja, das ist Meckern auf hohem Niveau. Aber wir stehen erst am Anfang. Jedes FaxgerĂ€t dachte schlieĂlich auch einmal, es sei unersetzlich.
Zwischen digitalem Aufbruch und analogem Niemandsland
Bei aller Begeisterung lebe ich als Privatarzt im digitalen Mittelalter: keine digitale Patientenakte fĂŒr Privatversicherte, keine eRezepte, keine Anbindung an die TI-Infrastruktur. Ich nutze modernste KI-Systeme â und greife fĂŒr Rezepte trotzdem zum rosa Papierzettel.
Digitalisierung darf nicht an Kassengrenzen enden. Gesundheitsdaten gehören den Menschen, nicht den Systemen.
KI im Alltag meiner Patient:innen
Neulich wollte ein Patient ein neues Rezept fĂŒr seinen Betablocker. Als ich nach dem PrĂ€parat fragte, meinte er nur: âKeine Ahnung, ich frag kurz ChatGPT.â Sekunden spĂ€ter zeigte er mir sein gespeichertes Rezept â inklusive Dosierung, Wirkstoff und Hersteller. Er lĂ€sst seine Medikamente, Termine und Befunde dort speichern, weil es keine bessere Möglichkeit gibt, alles an einem Ort zu haben.
Das sagt viel ĂŒber den Status quo: Unsere Patient:innen sind lĂ€ngst digital unterwegs â nur das System ist es nicht.
Trotzdem: Ich bleibe optimistisch
Trotz AbstĂŒrzen, Support-Tickets und fehlender Infrastruktur spĂŒre ich tĂ€glich, wie groĂ das Potenzial ist. Wenn das jetzt schon so viel verĂ€ndert â wie sieht das erst in zwei Jahren aus? Ich freue mich auf neue Tools, auf echte Integration und auf Systeme, die Ărzt:innen und Patient:innen wirklich entlasten.
Was kommt
- Automatische Arztbrief-Generatoren mit patientenspezifischer Sprache.
- Adaptive Therapie-Assistenten, die Labor, MikronÀhrstoffe und Lebensstil zusammen denken.
- Patienten-Coach-Bots fĂŒr Ehlers-Danlos, Long COVID, Hashimoto & Co.
- Echtzeit-Gesundheitsdashboards mit Labor, HRV, CGM, Gewicht, Schlaf.
- Sprachgesteuerte Praxis-KIs, die Anweisungen umsetzen statt Tickets zu erzeugen.
- Plug-and-Play-Integration, die einfach lÀuft.
Mein Fazit
KI ist lĂ€ngst Teil meines Alltags â aber sie ersetzt nichts Menschliches. Sie gibt mir Zeit fĂŒr das Wesentliche: zuhören, erklĂ€ren, motivieren. Ich nutze sie, um besser Arzt zu sein â nicht, um ersetzt zu werden.
âHerr Doktor, meine KI versteht mich inzwischen besser als mein Fitnesstracker.â đ
#ZukunftDerMedizin: Die Zukunft ist nicht Mensch gegen Maschine, sondern Mensch mit Maschine.
Osteomedicum · Kiel

